Koloniales Erbe – Zürich prüft die umstrittenen Büsten im Hirschengraben erneut

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Koloniales Erbe – Zürich prüft die umstrittenen Büsten im Hirschengraben erneut

Einige Elemente auf SRF.ch funktionieren nur mit aktiviertem JavaScript. Das Zürcher Stadtparlament will die Debatte um die 16 umstrittenen Holzbüsten in der Aula des Schulhauses Hirschengraben neu aufrollen. Mit einer knappen Mehrheit überwies das Parlament einen Vorstoss, der ein neues Gutachten verlangt. Dieses soll die schulische Nutzung des Saals untersuchen und Betroffene einbeziehen. Die Aula des Schulhauses Hirschengraben wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Es gibt in der Aula 16 geschnitzte Figurenköpfe aus den Jahren 1894/95, die Menschen aus verschiedenen Weltregionen darstellen. Nach Einschätzung städtischer Fachstellen beruhen die Darstellungen auf einem damaligen rassistischen Weltbild und zeigen stereotype «Völkertypen». Ein 2025 erstelltes Gutachten gelangte dagegen zum Schluss, die Figuren seien zwar Ausdruck ihrer Zeit, stellten die abgebildeten Menschen aber gleichwertig und nicht herabwürdigend dar. Um diese unterschiedlichen Bewertungen geht es in der aktuellen politischen Auseinandersetzung. Auslöser der Diskussion war ein Vorstoss der Alternativen Liste (AL). Diese forderte, die Figuren während der schulischen Nutzung abzudecken. Die Büsten würden Menschen nach rassistischen Vorstellungen kategorisieren und seien für Kinder ungeeignet, argumentierte AL-Gemeinderätin Sophie Blaser. «Der aktuelle Zustand ist nicht haltbar», so Blaser in der Debatte. Und sie ergänzte, dass das bestehende Gutachten von 2025 wissenschaftlich ungenügend sei. Sie nannte das Gutachten eine Gefälligkeit. Schulvorsteher Balthasar Glättli (Grüne) sprach sich gegen eine Verhüllung aus. Er kündigte stattdessen eine umfassende Kontextualisierung an. Geplant seien nicht nur Informationen für Erwachsene, sondern auch Unterrichtsmaterialien für Schülerinnen und Schüler. Die Aula werde zudem nur selten für den regulären Unterricht genutzt. Die SP unterstützte die Kritik am bisherigen Gutachten, lehnte eine Abdeckung jedoch ab. Mit ihrem Änderungsantrag setzte sie sich durch: Statt einer Abdeckung soll nun ein neues Gutachten den Umgang mit den Figuren klären. Widerstand leistete die SVP. Ihre Vertreter bezeichneten die Debatte als Symbolpolitik und Kulturkampf. Die Figuren würden Menschen aus verschiedenen Weltregionen gleichwertig darstellen und niemanden herabwürdigen. Zudem verwiesen sie auf das bestehende Gutachten, das die Darstellungen nicht als rassistisch einstufe. Der Streit um die Hirschengraben-Büsten ist kein Einzelfall in der Schweiz. In Zürich wurden die historischen Hausinschriften «Zum Mohrenkopf» und «Zum Mohrentanz» wegen ihres rassistischen Bezugs abgedeckt. In Neuenburg blieb das umstrittene David-de-Pury-Denkmal stehen, erhielt jedoch eine kritische Einordnung. Ebenfalls in Neuenburg wurde ein Platz, der nach dem Rassentheoretiker Louis Agassiz benannt war, in «Espace Tilo Frey» umbenannt. Beim Kindlifresserbrunnen in Bern entschied sich die Stadt für zusätzliche Erläuterungen. Der Mohrenbrunnen in Schaffhausen blieb bestehen, wird aber weiterhin kontrovers diskutiert. Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 5.11.2026, 12:03 Uhr

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