Seit zwei Jahren erlebt eine Leserin dieselbe Schleife: Ihre enge Freundin wird von ihrem Partner gekränkt, weint, sucht Rat – und kehrt doch wieder zu ihm zurück. Inzwischen mischt sich in ihre Sorge auch Wut und Ungeduld. In einem Leserbrief hat sie sich deshalb an das Therapeutenpaar Katz und Straden gewandt. Ihren echten Namen möchte sie nicht nennen; wir nennen sie Caro. Caros Freundin ist 39 und führt seit zwei Jahren eine On-off-Beziehung. Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich. Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu. Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt Öffnen Sie nun Ihr E-Mail-Postfach - hier finden Sie eine E-Mail von uns. Bestätigen Sie Ihre Anmeldung zum Newsletter, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken. Mit dieser E-Mail-Adresse haben Sie den Newsletter „Ein FUNKE Liebe“ bereits abonniert. Eine Übersicht all unserer Newsletter finden Sie hier . Der Mann mache sie klein, kritisiere ihren Körper, betone ihre Fehler und bringe sie regelmäßig zum Weinen, schreibt Caro. „Natürlich bin ich für meine Freunde da, aber langsam kann ich es auch nicht mehr hören“, erklärt sie. Besonders frustriere sie, dass ihre Freundin immer wieder Rat suche, am Ende aber doch bei ihm bleibe. Zugleich habe sie das Gefühl, der Mann sehe ihre enge Freundschaft kritisch: „Ich habe das Gefühl, er versucht, sie gegen mich aufzubringen.“ Was zwischen dem Paar tatsächlich geschieht, lässt sich aus Caros Schilderung allein nicht beurteilen. Ihre Frage aber ist klar: Wie kann sie helfen, ohne sich selbst dabei aufzureiben? Ihre Zeilen zeigen, wie sehr Ihnen Ihre Freundin am Herzen liegt – und wie viel Kraft es kostet, ihr seit zwei Jahren beizustehen. Sie beschreiben eine Seite belastender Beziehungen , über die seltener gesprochen wird: die Erschöpfung der Menschen, die danebenstehen. Ihre Freundin leidet offenbar unter dieser Beziehung, und Sie leiden zunehmend mit ihr. Dass dabei neben Mitgefühl auch Ärger entsteht, ist nachvollziehbar. Dass ausgerechnet er immer wieder auf Abstand geht und sie trotzdem bleibt, muss kein Widerspruch sein. In der Psychologie spricht man unter anderem von intermittierender Verstärkung: Zuwendung und Zurückweisung wechseln sich unvorhersehbar ab und können dadurch besonders stark binden. Donald G. Dutton und Susan Painter untersuchten dieses Muster 1993 an 75 Frauen, die gewaltgeprägte Beziehungen verlassen hatten, und fanden einen Zusammenhang zwischen wechselnder Misshandlung, Machtgefälle und anhaltender emotionaler Bindung. Dutton und Painter bezeichneten ein solches Muster als „traumatische Bindung“. Die Studie ist allerdings klein und mehr als 30 Jahre alt; sie lässt daher keine direkten Rückschlüsse darauf zu, warum Ihre Freundin konkret bleibt. Sie kann aber erklären, warum sich eine solche Bindung trotz wiederholter Verletzungen so schwer lösen lässt. Wenn Ihre Freundin sagt, sie „hänge sehr an ihm“, ist das also durchaus ernst zu nehmen – möglicherweise beschreibt dieses Gefühl eher eine starke Abhängigkeit als Zuneigung. Auch Ihre Sorge um die Freundschaft sollten Sie ernst nehmen. Wenn er tatsächlich versucht, Ihre Freundin gegen Sie aufzubringen, kann Ihre Verbindung zu ihr umso wertvoller sein. Sie sind also nicht nur Beobachterin, sondern möglicherweise eine wichtige Bezugsperson außerhalb dieser Beziehung. Was können Sie also tun? 1. Bleiben Sie – aber nicht um jeden Preis Isolation kann problematische Beziehungen zusätzlich verstärken. Dass Ihre Freundschaft standhält, ist für Ihre Freundin deshalb möglicherweise wertvoller als jeder kluge Rat. Ein Ultimatum wie „Er oder ich“ könnte dagegen dazu führen, dass sie sich noch stärker zurückzieht. 2. Hören Sie auf, Lösungen zu liefern Ihre Freundin kennt viele Ihrer Argumente vermutlich längst. Wer immer wieder „Trenn dich doch endlich“ hört, fühlt sich womöglich nicht ermutigt, sondern beschämt. Fragen können deshalb stärker wirken als Antworten
También lo cubren: Berliner Morgenpost (Alemania).
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